COVID-19 bremst Studium in Deutschland für afrikanische Studenten

Sv-tailfingen

Wegen der Coronavirus-Pandemie waren die Universitäten in Deutschland gezwungen, ihre Studentenaustauschprogramme für afrikanische Studenten einzuschränken.

Die Coronavirus-Pandemie hätte die Studienpläne von Lucy Adundo fast zunichte gemacht. Die kenianische Studentin, die an der Justus-Liebig-Universität im mitteldeutschen Gießen immatrikuliert ist, war in Sierra Leone und machte Feldforschung, als das Coronavirus in Deutschland zuschlug.

Ich erinnere mich lebhaft daran, als die Zahlen in Europa zu steigen begannen und ich noch in Sierra Leone war, um meine Forschungsdaten zu sammeln. Zum Glück hatte ich die Datensammlung kurz vor der Abriegelung in Sierra Leone abgeschlossen“.

Sierra Leone setzte internationale Flüge aus, aber Adundo hatte Glück. Da sie als Austauschstudentin aus Deutschland immatrikuliert war, gelang es ihr dank der Hilfe der deutschen Botschaft nach einigen Tagen, einen Flug aus Sierra Leone zu bekommen.

Ich hatte Angst vor den steigenden Zahlen in Europa, aber ich hatte auch Angst vor dem schlechten Gesundheitssystem in Sierra Leone“, sagte Adundo.

Als die Länder ihre Grenzen schlossen, als die Pandemie zuschlug, saßen drei weitere Austauschstudenten der Justus-Liebig-Universität in Namibia fest. Das deutsche Auswärtige Amt sicherte ihre Rückkehr.

Am Ende hat alles gut geklappt“, sagte Julia Volz vom Internationalen Büro der Universität, das für den Studentenaustausch zuständig ist. Derzeit sei niemand von der Justus-Liebig-Universität gestrandet, weder die Austauschstudenten im Ausland noch die in Deutschland an der Universität eingeschriebenen ausländischen Studierenden.

Aber die Austauschprogramme, die viele Studierende als integralen Bestandteil ihres Studiums betrachten, sind noch stark eingeschränkt.

Die Reisebeschränkungen haben große Auswirkungen auf unsere Möglichkeiten, Austauschprogramme durchzuführen“, sagte Volz. Daher wird im kommenden Semester nur noch ein Drittel der Austauschmöglichkeiten angeboten.

 

Virtuelles Austauschprogramm übertrifft Erwartungen

Aus diesem Grund bietet die Universität ihren internationalen Partneruniversitäten ein virtuelles Austauschprogramm an – und es ist sehr gefragt.

Wir bearbeiten über 500 Bewerbungen. Das übertrifft bei weitem unsere Erwartungen“, sagte Volz.

Unter den Bewerbern sind Studierende aus Äthiopien, Botswana, Ghana und Namibia.

Finanzielle Unterstützung für die Kurse ist laut Volz verfügbar, und Stipendien werden ausgeschrieben und vergeben.

Da aber virtuelle Austauschprogramme nicht für alle Studenten in Frage kommen, haben viele darum gebeten, ihren Auslandsaufenthalt zu verschieben.

Viele deutsche Studenten, die nach Afrika gehen wollen, tun dies“, sagte Volz und fügte hinzu, sie hoffe, dass sich die Situation im nächsten Jahr stabilisieren werde.

Die in Gießen immatrikulierten Studierenden hätten bereits Interesse an einem Auslandsaufenthalt in Äthiopien und Namibia im nächsten Jahr gezeigt, sagte sie, und sie sei sicher, dass weitere im Jahr 2021 reisen wollen.

 

Eingeschränkte Visa-Bearbeitung bereitet Reisekopfschmerzen

Auch die Austauschprogramme an der Universität Hamburg sind stark betroffen. Die Universität hat ein seit langem bestehendes Programm mit der südafrikanischen University of Stellenbosch, in dem bis zu sechs Studenten der Hamburger Universität ein Semester verbringen können.

 

Dies wird in diesem Jahr nicht mehr geschehen.

Wegen der Reisebeschränkungen und koronabezogenen Regelungen innerhalb der Universitäten sind Auslandsaufenthalte oft nicht möglich“, sagte Courtney Peltzer-Hönicke, Leiterin des Internationalen Seminars der Universität Hamburg.

Die Universität nimmt jedoch Bewerber aus Afrika auf. Aber nicht alle deutschen Konsulate haben die Bearbeitung von Visa wieder aufgenommen, sagte Peltzer-Hönicke und fügte hinzu, dass die Universität Bewerbern aus COVID-19-Risikogebieten rät, nicht zu kommen.

 

Zusätzliche Zeit für Forschung in Deutschland

Der Fachbereich Chemie der Universität Bielefeld im Nordwesten Deutschlands kann für sein Austauschprogramm gemischte Ergebnisse vorweisen.

Einerseits “sind die Austauschmöglichkeiten in diesem Jahr aufgrund der Coronavirus-Pandemie etwas zurückgegangen“, sagte Norbert Sewald, Professor und Koordinator von YaBiNaPA, einer bilateralen Graduiertenschule, die mit der Universität Yaounde in Kameruns Hauptstadt betrieben wird.

Er sagt, dass mehrere kamerunische Forschungsstudenten der Graduiertenschule in diesem Jahr nicht wie geplant nach Deutschland kommen konnten.

Cedric Guy Tchatchoung Noulala aus Kamerun hingegen hatte Glück. Der Forschungschemiker kam im Februar aus Yaounde in Bielefeld an, kurz bevor die meisten internationalen Reisen eingestellt wurden.

Die Pandemie hatte gerade erst begonnen, so dass ich kaum Labortests durchführen konnte“, erklärt Noulala.

Aber jetzt gehe ich jeden Tag ins Labor und konnte mein Stipendium bis Dezember verlängern“, erklärt Noulala.

Er will seine Forschung fortsetzen, wenn er nach seiner Rückkehr nach Yaounde heimkehrt.